Einzelhandel & Internet

Coronavirus, Digitalisierung und Online-Handel – die richtigen Antworten

15. März 2020
Immo W. Fietz
Der Coronavirus hat die Welt im Griff und die Unternehmen scheinen den Atmen anzuhalten. Wie verfahre ich nun richtig, wenn ich einen Online-Shop betreibe und welche Chance bieten Digitalisierung und Online-Handel in dieser Krise?

Panik ist als Unternehmer immer eine schlechte Begleitung. Wirkliche Angst und Sorgen darf man auch als Unternehmer haben. Alles geht einmal vorbei und in Italien, welches als europäischen Land aktuell am stärksten vom Coronavirus betroffen ist, ist das Tagesmotto “Alles wird gut” – so sehen wir es, es wird definitiv weitergehen und es wird sich alles wieder normalisieren. Wir wollen in diesem Artikel einmal Chancen und Risiken für den Online-Handel betrachten und konkrete Massnahmen kurz beleuchten, die kleine und mittlere Online-Shops nun durchführen können.

Auszeit sinnvoll nutzen

Sieht man aktuell nach China, dann sieht man ein Land nach der Corona-Zeit. Das Leben erwacht, die Lokale und Bars öffnen wieder, die Menschen trauen sich wieder auf die Strasse. Auch in Europa wird dies wieder so sein. Wir wissen nur nicht, ob es in 4 oder 8 Wochen so ist. Wir haben aber die Chance, die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Wenn Sie jetzt starke Sorgen und Ängste haben, dann fahren Sie selbst herunter. Auch Sie als Online-Shop-Betreiber dürfen einmal eine Woche Auszeit nehmen, sich innerlich mit diesen Themen beschäftigen und Kraft aufbauen für die weiteren Schritte. Nutzen Sie die Zeit auch für sich und sortieren Sie Ihre Gedankenwelt neu.

Digitalisierung – Chancen und Risiken

Viele Unternehmen haben die Digitalisierung in den letzten Jahren massiv verschlafen und haben ihre Online-Geschäfte nicht konsequent aufgebaut und mit Strategie weiter ausgebaut. In diesen Tagen sieht man insbesondere bei den Schulen und Behörden, was das Verschlafen der Digitalisierung sofort auslöst in einer solchen Quarantäne-Krise: Stillstand. Stillstand an den Schulen, in Rathäusern, Ämtern und Haushaltspraxen, die nicht von Corona überlaufen werden. Moderne eLearning-Systeme, Skype, Fern-Diagnose, Tools zur Kommunikation und Homeoffice-Arbeit hat man nicht rechtzeitig eingeführt und steht nun vor dem Scherbenhaufen, weil man in schwierigen Zeiten neu lernen muss.

Der Online-Handel wird in der Krise bestehen und gestärkt weitermachen.

Anders aufgestellt sind viele Online-Händler, Digitalagenturen und Freiberufler. Für diese ändert sich oft wenig in einer solchen Coronavirus-Krise rein technisch, aber ggf. perspektivisch. Sie können bereits von jedem Ort der Welt arbeiten, haben ausreichend digitalisiert und sind gut vorbereitet. Sie können schnell ihre Digitalisierungsoptionen ausbauen und nach oben skalieren, sollte es in einer länger andauernden Krise notwendig sein, weil sie es gewohnt sind, so zu arbeiten.

Dennoch – es geht oft nicht ohne persönlichen Kontakt, insbesondere dann nicht, wenn geliefert werden soll. Oder doch? Was erwartet den Online-Handel, die Digitalagenturen, die technischen Dienstleister in der Coronavirus-Krise? Kommt es zum Stillstand? Kommt etwas danach?

Dem Online-Handel gehört die Zukunft

Der Online-Handel ist kontaktarm, schnell, einfach und das gesündeste, wie Menschen einkaufen können in Viren-Zeiten. Sie stehen nicht in Schlangen, müssen keine Waren aus den Regalen nehmen, Geld oder Türklinken anfassen und haben insgesamt ein sicheres Gefühl. Auch den Belohnungsfaktor bei den Menschen in Krisenzeiten sollte man nicht unterschätzen. Die Lieferketten werden staatlicherseits notwendigerweise aufrecht erhalten und auch die letzte Meile wird dank Paketboxen und vielen anderen neuen Instrumenten immer kontaktarmer und damit virenfreier.

Was sind die kritischen Branchen im Online-Handel in der Corona-Krise?

Die Panik ist bei Online-Händlern aktuell gross. Die Menschen haben Angst. Verbraucher, die Angst haben, konsumieren nicht. Menschen haben aber auch Hoffnung und schnell Sehnsucht nach Normalität – für die Behörden oft zu schnell. Die Angst vor dem Virus bleibt. Die Folge ist, der stationäre Handel wird gemieden. Man vermeidet direkten Kontakt, man hat jedoch oft Zeit, um Hobbys zu betreiben, gut zu essen, zu lesen, kochen, heimische Reparaturen durchzuführen, das Haus weiter zu sanieren, renovieren und vieles mehr. Auch der Grundbedarf muss gesichert sein. Das wird sich auf den Online-Handel auswirken, wenn die Lieferketten funktionieren, die Verfügbarkeit der Waren bleibt und die Lieferdienste auch liefern.

Anders sieht dies in den kritischen Branchen aus. Messen für Unternehmen sind abgesagt, die Veranstaltungs- und Gastronomiebranche wird praktisch ausgeschaltet, die Produktion für ausländische Warenbezieher wird heruntergefahren, in der Elektronikbranche kann es zu Engpassen kommen, Kurzarbeit droht und vieles mehr. Dennoch sind die direkt betroffenen Branchen im Online-Handel überschaubar. Eine Analyse unserer vielen hundert betreuten Bestands-Shops ergab, dass direkt betroffen an sich nur gut 10% sind. Bei allen anderen Online-Shops ändert sich – abgesehen von der psychologischen Krise – in der Warenverfügbarkeit eher wenig.

Was muss ein Online-Händler nun tun? Analyiseren Sie, wie Ihr Geschäft wirklich einzuordnen ist? Kann es von einer Krise durch das Sortiment profitieren? Kann es im Verbraucherbereich weiter ausgebaut werden? Sind Ihre Lieferketten sicher? Sind Sie bereit für die Zeit nach Corona?

Der europäische Binnenmarkt wird nicht zusammenbrechen. Es wird alles etwas länger dauern, aber wer von europäischen Herstellern bezieht, wird früher oder später auch wieder Ware erhalten. Auch China nimmt die Belieferung Europas wieder auf. Wir werden Engpässe haben, wir werden aber keinen kompletten Zusammenbruch der Lieferketten erleben.

Was werden die Zusteller und Postdienstleister in der Corona-Krise tun und danach?

Sie werden den direkten Kontakt zum Kunden meiden. Und das wird auch in Zukunft zunehmend so sein, unabhängig davon, ob es Corona gibt oder nicht. Dieser Trend war vorher schon vorhanden und wird nun mit Paketstationen, lokalen Paketboxen und vielem mehr weiter ausgebaut werden. Machen Sie sich als Online-Händler also keine Sorgen um die letzte Meile. Das wird dauerhaft funktionieren. Denkbar ist dort jedoch eine Überlastung, weil ängstliche Verbraucher auf den Online-Handel ausweichen und den stationären Handel meiden.

Soll ich für meinen Online-Shop nun die Google AdWords Werbung reduzieren?

Google Ads ist nach wie vor das effektivste Instrument, um direkten Umsatz durch Werbung im eCommerce zu erzeugen. Bezahlt wird per Klick (ppc), wer klickt, der sucht auch. Wer sucht, will auch kaufen. Wer jetzt Google Ads Budget herunterfährt, hat deutliche Probleme in seiner Lieferkette erkannt oder gehört zu den wenigen Branchen, die unmittelbar Industrie-Zulieferer oder ähnliches sind. Alle anderen Segmente sollten dringend die Budgets prüfen und ausfallenden stationären Innlands-Umsatz durch Ausweitung des Google Ads Budgets auffangen oder zumindest beibehalten. Wenn etwas jetzt noch im Marketing funktioniert, dann ist das digitales SEO und SEA.

Soll ich den Relaunch meines Online-Shops verschieben?

Nein. Klares Nein. Jetzt ist die Zeit, sich zu digitalisieren. Die Nachfrage im Online-Handel wird, wie in allen Branchen kurzfristig einbrechen. Die ersten, die sich wieder erholen und zulegen werden, werden die digitalisierten Geschäftsprozesse sein. Jetzt ist es Zeit, wenn Ihre Digitalagentur erreichbar und arbeitsfähig ist, Online-Shops zu modernisieren, fällige Updates zu machen und die Zeit sinnvoll zu nutzen, neue Ideen online umsetzen. Die halbe Welt hat nur noch den Blick auf den Monitor und kann den Nachbarn nicht mehr besuchen. Sie sind mit Ihrem Online-Auftritt da und abrufbar im Gegensatz zum stationären Handel. Machen Sie etwas daraus! Sehen Sie nach vorne!

Wann wird sich alles im Online-Handel wieder normalisieren?

Wir wissen es nicht. Das ist sicherlich auch von der Bereitschaft der Menschen abhängig, zu leiden. Im Klartext, aktuell haben wir eine Veränderung der Wahrnehmung der Menschen. Direkt und konkret von Krankheit betroffen sind wenige. Dennoch verändert sich alles und psychologisch sind die Menschen massiv unter Druck. Rational wird die Höhe der Corona-Epedemie in Deutschland vermutlich Mitte April erreicht sein, nach den Zahlen, die wir derzeit kennen.

Wir glauben – und tatsächlich hoffen wir auch – dass es nach der Coronvirus-Krise nicht so weitergeht, wie vor der Krise. Das ist zunächst provokativ, aber dass ein solcher Virus so massive Veränderungen der Gesellschaft mit sich bringt, ist auch dem Verschlafen der Digitalisierung in allen Bereichen der Gesellschaft in Deutschland geschuldet. Zum einen haben wir China als Ausbruchsland des Virus nah an uns angebunden, zugleich haben wir keine ausreichenden Massnahmen getroffen, um die damit verbundenen Risiken zu reduzieren. Nun steht Deutschland geschockt still und wir sammeln hoffentlich Kraft, die richtigen Antworten zu finden. Wir wollen dazu Impulse im Online-Handel geben.

Zusammenfassung: Was Sie jetzt nicht tun sollten als Online-Händler

Wir haben auch nicht alle Antworten auf diese neue Situation. Wir haben aber schon vor Wochen diese Krise kommen sehen, wie viele andere auch und möchten ein paar Denkansätze zu Fehlern geben, die Sie jetzt in jedem Fall vermeiden sollten.

  • Angst ist natürlich, aber ein ganz schlechter Begleiter als Unternehmer/in. Versuchen Sie Ihre ängstlichen Gedanken in positive Kraft nach vorne umzuwandeln. Das hört sich blöd an, ist aber tatsächlich eine der vielen Möglichkeiten, die wir Menschen haben, mit solchen Situationen umzugehen.
  • Schalten Sie Ihren Online-Shop nicht in den Wartungsmodus! Google arbeitet weiter und wird Sie mit schlechten oder keinen Rankings abstrafen.
  • Wenn Sie längere Lieferzeiten haben, kommunizieren Sie dies offen mit den Kunden und behalten Sie die alten Lieferzeitangaben nicht bei.
  • Reduzieren Sie nicht Ihr lokales Marketingbudget! Ganz im Gegenteil! Bleiben Sie auch lokal präsent. Zeigen Sie den Menschen, dass Sie das zusammen durchstehen und Sie auch danach noch da sein werden. Wandeln Sie Ihre reinen Produktkampagnen in Positiv-Kampagnen um.
  • Reduzieren Sie nicht Ihr Online-Marketingbudget! Prüfen Sie, ob es ausgeweitet werden kann.
  • Verschieben Sie geplante Aktualisierungen, Updates und neue Projekte nicht! Jetzt ist ggf. Zeit. Es wird weitergehen und Sie wollen vorne dabei sein.

Zusammenfassung: Die richtigen Massnahmen als Online-Händler in der Corona-Krise

Der wichtigste Begleiter ist die ruhige Hand. Das ist nicht nur ein Spruch, es muss auch gelebt werden. Bleiben Sie ruhig. Es wird weitergehen, es wird am Ende alles gut werden. Ist nicht alles gut, ist es auch nicht das Ende.

  • Prüfen Sie, ob Ihre Lieferketten in Ordnung sind. Ist Ihre Waren verfügbar? Können Sie ggf. auf andere Lieferanten ausweichen?
  • Prüfen Sie, ob Sie ausreichende Massnahmen getroffen, Homeoffice-Arbeit für Mitarbeiter zu ermöglichen und konkret den direkten Kontakt der Mitarbeiter untereinander zu reduzieren!
  • Haben Sie Tools wie Email-Ticketsysteme, slack, MS-Teams, Skype, Whatsapp für Unternehmen oder LiveChat im Einsatz? Nutzen Sie eine virtuelle Telefonanlage für die Umleitung Ihrer Anrufe flexibel zu den richtigen Zielen?
  • Ist Ihr Online-Shop aktuell? Wenn nein, es ist jetzt Zeit für ein Update. Machen Sie es!
  • Machen Sie Google Ads Werbung? Wenn nein, jetzt ist der richtige Moment, das einzurichten. Wenn ja, prüfen Sie Ihr Budget und fahren Sie es ggf. hoch, um stationäre Ausfälle abzufangen.
  • Ist Ihr Online-Shop technisch ausreichend optimiert? Bringt der Google Pagespeed Test ein gutes Ergebnis? Wenn nein, jetzt Pagespeed optimieren!
  • Ist die mobile Ansicht Ihres Online-Shops optimiert? Wenn nein, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, da der Anteil der couch-surfer zunehmen wird.

Wir sind als Team für Sie da – auch in der Coronavirus-Krise!

Auch wir haben Ängste, jeder von uns macht sich seine Gedanken. Wir wissen aber eines, es geht immer weiter. Vielleicht anders, vielleicht besser, vielleicht sozialer, vielleicht rücksichtsvoller, sicher hygienischer. Es wird einen Anfang geben und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Seien Sie aktiv dabei und gestalten Sie mit!

Wir versuchen, durch moderne Strukturen unsere Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Wenn Sie Fragen haben, vereinbaren Sie ein Telefonat für eine Beratung. Schreiben Sie uns Ihre Fragen per E-Mail. Wir können Corona nicht aufhalten, wir können aber die Folgen abmildern und Zukunftsperspektiven aufzeigen. Wer jetzt mutig handelt, wird Gewinner der Krise sein und zugleich soziale Veranwortung seinen Mitmenschen gegenüber zeigen. Alles wird gut!

SchlagwortecoronavirusDigitalisierungeCommerceOnline-HandelonlinehandelSuchmaschinenoptimierung

Über Immo W. Fietz

Immo W. Fietz, Jahrgang 1970, ist gelernter Programmierer, studierter Jurist und Betriebswirt sowie Sachverständiger für Neue Medien. Hier schreibt er als leidenschaftlicher eCommerce-Spezialist der ersten Stunde über tägliche Probleme im Online-Handel und der Verknüpfung von stationärem Handel mit dem Internet, lokale Marktplätze, Stadtentwicklung in der Digitalisierung und politische Rahmenbedingungen des eCommerce.

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