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Warum man in der Stadt Celle besser kein Unternehmen gründet

23. September 2020
Immo W. Fietz

Unternehmensgründungen und Unternehmersein ist schwer, in der Stadt Celle ist es noch schwerer. Insbesondere in Corona-Krisen-Jahren wird deutlich, wie die Kommunen bei der regionalen Wirtschaftsförderung völlig versagen in ihrem Festhalten an Obrigkeitsdenken und -handeln. Wir sagen, warum man besser kein Unternehmen in der Stadt Celle gründet.

Gewerbesteuer zahlt niemand gerne, insbesondere dann nicht, wenn die Gewerbesteuer als Vorauszahlung in einem Jahr getätigt werden muss gem. eines Vorauszahlungsbescheides der Stadt Celle, der 2 Jahre nach dem Jahr liegt, wo man mal ein wenig mehr Geld in der Kasse hatte. Das hört sich schon absurd an, es wird noch absurder.

Vielleicht kurz zur Erklärung: Unternehmen zahlen ständig Steuern. An sich immer. Sie zahlen auch Steuern, wenn die Stadt Celle vermutet, dass ein Geschäftsjahr, das 2 Jahre später liegt, genau so erfolgreich wird, wie das Jahr der letzten Steuererklärung. Dann sind Steuervorauszahlungen auf den Verdacht hin zu leisten, dass Ihr Unternehmen erfolgreich sein könnte, selbst wenn es das nicht ist. Das braucht Gewöhnung, weil es wirklich ungewöhnlich und unglaublich ist.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Gewerbesteuerbescheid zu einer solchen absurden Vorauszahlung von Steuern erhalten über 1.000 EUR – was sich im ersten Schritt nicht viel anhört. Sie reichen Widerspruch ein, weil Sie klar gesetzlich zu dieser Vorauszahlung nicht verpflichtet sind. Ihr Widerspruch wird Erfolg haben, aber bis zur Bearbeitung des Widerspruchs reicht die Stadt Celle Zwangsvollstreckungsmassnahmen ein, ohne jede weitere Mahnung, Schreiben oder ähnlichem.

Stadt Celle droht mit Taschendurchsuchung vor den Augen Ihrer Kinder in Ihren Privaträumen

Dann erhalten Sie nach 20 Jahren Berufserfahrung einen ersten aufgeregten Anruf Ihres Kundenberaters bei der Sparkasse, der Ihnen mitteilt, dass er Ihr Geschäftskonto schliessen muss aufgrund einer Verfügung der Stadt Celle. Er könne sich das gar nicht erklären, man wäre doch liquide und es gehe doch um einen so kleinen Betrag. Zähneknirsched weisen Sie den Sachbearbeiter an, das Geld an die Stadt Celle auszuzahlen.

Aber es kommt natürlich noch besser. Noch am gleichen Tag trudelt ein Schreiben der Stadt Celle bei Ihnen ein (aufgemerkt: Ihr Bankkonto wäre ja schon dicht, Ihre Liquidität gleich null, Lastschriften platzen, die Bank bittet zum Gespräch wegen eines Warenkredits), in dem Sie die ganze Palette der modernen Sklaverei der 50iger Jahre durch die Stadt Celle mitgeteilt bekommen.

Mittelalter in der Stadt Celle

Die einzelnen Massnahmen sagen dem Laien oft wenig. Übersetzt heisst das, wegen 1.000 EUR, die man angeblich der Stadt Celle schuldet in einem Verfahren, in dem ein aussichtsreicher Widerspruch bearbeitet wird, schreckt die Stadt Celle nicht davor zurück, Ihre Konten zu sperren, Sie beim Finanzamt zu diskreditieren, Sie vor den Augen Ihrer Kinder in Ihren Privaträumen zu durchsuchen, Ihr Privatfahrzeug oder das Fahrzeug, das Ihre Frau nutzt, mit einer Parkkralle festzusetzen, Ihnen Ihre Liquidität durch Kontensperrung all Ihrer Konten zu nehmen und Sie damit förmlich zur Zahlung zu erpressen. In jedem anderen Fall wären das strafbare Handlungen. Die Stadt Celle aber darf all das und sie scheint auch nicht davor zu scheuen, es durchzuführen.

Es kommt natürlich, wie es kommen musste. Sie bezahlen also die 1.000 EUR durch Ihren Bankberater direkt. Ihr Konto bleibt zum Glück offen. Sie haben ein mulmiges Gefühl, was das nun für den an sich guten Kontakt zu Ihrer Bank bedeutet. Zwei Wochen später ist Ihr Widerspruch durch die Stadt Celle bearbeitet. Sie erhalten das Geld zurück, nicht aber die Gebühren der eingeleiteten Zwangsvollstreckung. Es entschuldigt sich auch niemand bei Ihnen. Ihre gesamte Existenz stand auf dem Spiel und die Stadt Celle hat leichtfertig ihre Macht demonstriert.

Warum schreibe ich als kleines Unternehmen, das jedes Jahr Angestellte bezahlt und Arbeitsplätze schafft, viele tausend Euro Steuern in Form von Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer, Lohnsteuer und Sozialabgaben leistet, selbst eine Regenwasserabgabe an die Stadt Celle zahlt, so einen Text? Weil die Geschichte nicht zu Ende ist. Weil ich und viele andere Unternehmen, vielleicht auch in ähnlichen Städten wie der Stadt Celle, jedes Jahr, jeden Monat so etwas erleben können und wir als Unternehmen einen erheblichen Teil am Wohlergehen unserer Stadt leisten, als Dank jedoch jeden Tag mit der Respektlosigkeit der städtischen Angestellten und Beamten rechnen müssen und es niemals aufzuhören scheint.

Coronajahr 2020 – was hat sich in Celle verändert?

Nichts, einfach nichts. Unser Finanzminister hat vorgelegt, der Bundestag hat entschieden, dass im Jahr 2020 kleine Unternehmen von den Vorauszahlungen auf Gewerbesteuern oder Körperschaftssteuern zu befreien sind. Ein simpler Antrag ist ausreichend, einer beleghaften Begründung bedarf es nicht. Und weil die Vorauszahlungen auf einen Erfolg, der vielleicht nie eintritt, jedes Jahr sehr ärgerlich sind und die Liquidität der kleinen Unternehmen zerstört, machen davon Unternehmen sogar Gebrauch und beantragen formlos die Befreiung von der Vorauszahlung.

Das heisst aber nicht, dass dies der Stadt Celle gefällt. Man bedient sich eines simplen Taschenspielertricks und behauptet, es gelte ja nur für die Vorauszahlungen des Jahres 2020. Vorauszahlungen, die aufgrund eines älteren Geschäftsjahres 2019 entstanden sind und dort zugeordnet werden, sind natürlich zu leisten. Liquidität haben Sie immer noch nicht, aber wollen Sie sich tatsächlich mit einer so mächtigen Kommune wie der Stadt Celle erneut anlegen? Dort sitzen in der Sachbearbeitung Menschen, die nicht für Erfolg, wie Sie, bezahlt werden, sondern einfach nur für das da sein und abarbeiten. Dort gibt es Geld genug, das Sie als Unternehmer im Coronajahr vielleicht nicht haben. Und man hat dort Zeit, die Sie vermutlich auch nicht haben.

Es ist ein deja-vu und ein Trauma, das Sie wieder einholt. Und Sie fragen sich, ob das denn niemals aufhört, das eine so finanziell schlecht aufgestellte Kommune wie die Stadt Celle, ständig auf den Erfolg ihrer kleinen Unternehmen wettet, in dem sie Vorauszahlungen durchsetzt, die ggf. am Ende zurückerstattet werden müssen. Man schafft ein Klima von Angst, Sorgen und Bedrängnis.

Natürlich gibt es viel mehr Gründe, kein Unternehmen in Celle zu führen

Als Unternehmer mit vielen Jahren Berufserfahrung ist die Lernkurve hart, wenn man mit der Stadt Celle zu tun hat. Es ist nicht nur die unsägliche Gewerbesteuer-Bearbeitung, es sind viele, viele weitere Punkte. Wenn Sie z. B. ein Unternehmen eine Straße weiter umziehen (bei mir war es Fritzenwiese in die Schlepegrellstrasse, Luftlinie 200 Meter), dann müssen Sie das Unternehmen tatsächlich abmelden und wieder neu anmelden. Das hört sich simpel an, ist es aber nicht. Wer sagt Ihnen, dass die Anmeldung überhaupt genehmigt wird? Sie laufen Gefahr, keine Gewerbeerlaubnis mitten im Umzug zu haben. Das alles gelingt aber natürlich nur, wenn die Stadt Celle auch zwei Gebührenbescheide absetzen kann und (selbst erlebt) Sie nicht in einem privaten Gespräch zweier Sachbearbeiterinnen stören, die sich natürlich auch durch Ihre Ansprache nicht stören lassen. Mehr Fälle? Fragen Sie mich einfach, ich kann Ihnen stundenlang aus 20 Jahren berichten.

Unternehmen gründen in Celle? Lass es sein!

Nach mehr als 20 Jahren Unternehmersein würde ich den Schritt in Celle nicht mehr gehen. Natürlich haben andere Kommunen auch derartige Probleme, aber an der Ostsee gibt es das Meer, in Garmisch die Berge und vielleicht erhält man dort ja einen Brief der Gemeinde mit dem Gewerbesteuerbescheid, in dem man nachfragt, ob alle gesund sind, ob man Hilfe braucht und hofft, die Corona-Jahre gemeinsam durchzustehen, denn ohne kleine Unternehmen ist in der Stadt Celle alles nichts. Wir warten.

SchlagworteCelleInitiative CelleWir in Celle

Über Immo W. Fietz

Immo W. Fietz, Jahrgang 1970, ist gelernter Programmierer, studierter Jurist und Betriebswirt sowie Sachverständiger für Neue Medien. Hier schreibt er als leidenschaftlicher eCommerce-Spezialist der ersten Stunde über tägliche Probleme im Online-Handel und der Verknüpfung von stationärem Handel mit dem Internet, lokale Marktplätze, Stadtentwicklung in der Digitalisierung und politische Rahmenbedingungen des eCommerce.

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