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Online-Handel: 10 Tips zur Auswahl des richtigen Shop-Systems

27. Mai 2015
Immo W. Fietz
Die Wahl des richtigen Shop-Systems ist oft die erste schwierige Hürde, die der künftige Shop-Betreiber nehmen muss. Ich zeige Ihnen, worauf Sie achten müssen und welches die Hauptkriterien bei der Auswahl des richtigen Shop-Systems für kleine Unternehmen sind.

Aktuell gibt es eine Vielzahl von Shop-Systemen auf dem Markt, die für den Laien in vielen Bereichen ähnlich aussehen und auch ähnlich von den Herstellern beworben werden. Um nur ein paar wenige zu nennen: xt:Commerce, Shopware, Magento, Virtuemart, Prestashop, Woocommerce, modified eCommerce, Gambio, JTL-Shop, seo:Commerce, osCommerce. Tatsächlich gibt es aber wichtige Unterschiede zwischen den Systemen, die Sie kennen sollten, bevor Sie sich für ein Shop-System entscheiden. Denn der Aufbau eines Online-Shops ist neben viel Arbeit auch kostenintensiv. Die falsche Wahl des Shopsystems kann sehr unerfreuliche Folgen haben und sich jahrelang auf ein Projekt auswirken.

Tip 1: Unterscheiden Sie die Shop-Systeme!

Auch wenn alle Shopsystem-Hersteller versprechen, dass ihr Shopsystem das modernste ist und Sie nur mit diesem Shopsystem erfolgreich sein können, so gibt es doch erhebliche Unterschiede bei den Shops. Zum einen verursacht der Shop laufende Kosten, wie z. B. das Webhosting, und zum anderen ist der Aufwand, den Sie betreiben müssen, um an Ihr Ziel, dem fertigen Online-Shop zu gelangen, sehr unterschiedlich arbeits- und kostenintensiv. Von daher ist es wichtig, zu prüfen, für welche Zielgruppe und für welches Budget das Shopsystem einmal entwickelt worden ist.

Wir wissen z. B. aus vielen hundert Kundenprojekten, dass sehr kleine Unternehmen mit wenig Online-Handels-Erfahrung mit Shopsystemen wie Shopware oder Magento meistens überfordert sind und zwar nicht nur im Bereich der Kosten des Erstaufbaus, sondern eben auch im laufenden Betrieb. Diese Systeme sind nicht intuitiv bedienbar und erfordern mehr tägliche Unterstützung durch einen professionellen Dienstleister, als dies z. B. modified eCommerce benötigt.

xt:Commerce

Lernen Sie das Shopsystem kennen. Lassen Sie sich einen Testzugang geben, legen Sie 2-3 Testartikel an und sehen Sie es sich im Frontend einmal an. Nahezu alle Shopsysteme auf dem Markt werden mit einem Testlayout ausgeliefert und installiert, wo Sie die Funktionen sehen können. (Praxistip: Dieses Layout ist jedoch niemals Ihr End-Layout, sondern soll wirklich nur die Funktion des Shops darstellen.)

Tip 2: Prüfen Sie Ihr Budget!

Es ist absolut notwendig, dass der zukünftige Shopbetreiber sich darüber bewusst ist, welches Budget er für sein Shopprojekt aufwenden will. Gliedern Sie eine solche kleine Kostenübersicht in die Erstellungskosten, die Layout, Template, Programmierung, Installation einschliessen und die Betriebskosten, welche Hosting, Domain, Email-Verkehr und Datensicherung umfassen. Als 3. Bereich führen Sie die Marketing-Kosten auf, die Sie für ca. 12 Monate zunächst planen müssen und die Ihr Budget für Adwords-Werbung, SEO-Backlink-Aufbau und OnSite-SEO festlegen. Nur, wenn Sie sich klar darüber sind, mit welchem Budget Sie arbeiten können, können Sie im Ergebnis auch eine Shopsystem-Entscheidung treffen, denn die Shopsysteme erfordern einen unterschiedlichen Aufwand, um an das Ziel zu kommen.

Tip 3: Legen Sie die Größe des Shops fest!

Ob es sich bei Ihrem Shopprojekt um einen kleinen oder grossen Shop handelt, ist sehr wesentlich, da z. B. das Webhosting entsprechend dimensioniert werden muss und einige Shopsysteme z. B. nicht mit sehr grossen Artikelzahlen gut umgehen können. Ein kleiner Shop mit unter 5.000 Artikeln stellt für die meisten Systeme eher keine Herausforderung dar. Jedoch kann es ab 1.000 Artikeln bei Systemen wie Shopware oder Magento schon erforderlich sein, eben kein einfaches shared Hosting oder kleinen vServer einzusetzen. Planen Sie gleich zum Start mit 10.000 Artikeln und mehr, so haben Sie eher ein größeres Projekt vor Augen und Systeme wie Gambio oder JTL-Shop sollten nicht in Ihre engere Auswahl genommen werden.

Tip 4: Welche Warenwirtschaften bzw. ERP-Systeme gibt es?

Vielleicht setzen Sie unternehmensintern schon eine Warenwirtschaft, Fakturierung oder ein ERP-System ein, das Sie beibehalten wollen. Wenn dem so ist, dann sollten Sie auch nach einem Shopsystem suchen, dass zu diesem System passt. Haben Sie noch kein solches System, so machen Sie sich einmal Gedanken darüber, wie Sie Rechnungen und Bestandsverwaltung durchführen wollen, wenn Sie z. B. täglich 20 und mehr Bestellungen erhalten. Dann fallen manuelle Systeme meistens wegen des Aufwands aus und eine geeignete Warenwirtschaft mit Fakturierung muss her.

Der Haken an der Sache ist: Nicht jedes Warenwirtschaft ist auch für jedes Shopsystem verfügbar. Je größer der Anspruch der Zielgruppe beim Shopsystemhersteller ist, um so weniger werden Sie preisgünstige Warenwirtschaften für das System finden. Die Einführung einer WaWi kann durchaus 10.000 EUR und mehr binden, man kann jedoch auch kostenlose Systeme auf dem Markt finden. Erst in 2 oder 3 Jahren zu prüfen, welche WaWis für das Wunsch-Shop-System vorhanden sind, wäre fatal, weil es eben dann erhebliche Kostenfolgen bringen kann.

Mein Tip: Auch wenn Sie aktuell keine Warenwirtschaft einsetzen wollen, prüfen Sie dennoch bereits jetzt, was für Ihr Wunsch-Shopsystem auf dem Markt vorhanden ist, um später keine Kosten-Überraschung zu erleben.

Tip 5: Gibt es ausreichend Dienstleister, die zu Ihnen passen?

Sie werden auf Ihrer Recherche nach dem richtigen Shopsystem auf Agentur- und Dienstleister-Webseiten landen, wo oft nur ein einziges System angepriesen wird als der Heilsbringer. Warum ist das so? Meistens haben die Agenturen schon Schwierigkeiten, überhaupt das KnowHow für ein einziges System im Haus zu erhalten. So fällt das Angebot für 2 oder 3 Systeme schwer und ist gar unmöglich, zumals meistens auch Kompetenzen im Bereich Design und Content Management System vorgehalten werden müssen.

Grundsätzlich kann man sagen, das sehr kleine Dienstleister und sehr grosse Agenturen und Dienstleister meistens nur auf ein einziges System setzen. Die Gründe sind meistens identisch: Mangelndes KnowHow und der Wunsch nach starker Kundenbindung.

Prüfen Sie, ob für Ihr Wunsch-Shop-System ausreichend Dienstleister auf dem Markt sind und Sie diese Dienstleister bei Bedarf auch bezahlen wollen und können. Sie werden feststellen, dass bei Magento und Shopware-Anbietern meistens auch die Agentur eine Größe und Stundensatz hat, wo Sie als kleines Unternehmen ggf. einmal schlucken müssen. Das sieht bei Dienstleistern, die modified eCommerce, xt:Commerce oder Gambio anbieten, oft schon anders aus.

Tip 6: Lassen Sie sich vom Shop-Hersteller nicht täuschen!

Das Shopsystem allein macht Sie weder glücklich noch erfolgreich, auch wenn der Shopsystem-Hersteller etwas anderes behauptet. Emotionales Shopping, wie es Shopware 5 derzeit herausposaunt, gibt es schon seit Jahren und emotional wird es auch erst, wenn Sie als Shopbetreiber oder Ihre Agentur in der Lage sind, das grafisch auch umzusetzen. Technisch ist das mit jedem Shopsystem möglich. Da hat Shopware kein Alleinstellungsmerkmal.

SEO-Konform wird ein Shopsystem durch den HTML-Output. Sind Ihre Inhalte schlecht, taugt Ihr Server nichts oder produzieren Sie laufend doppelte Inhalte bei den Produktbeschreibungen, dann kann Ihr Shopsystem-Hersteller noch so sehr mit SEO-Konformität und SEO 2.0 werben, Ihr Shop ist dann einfach nicht suchmaschinenoptimiert. SEO ist ein Zusammenspiel zwischen Inhaltserfassung, Design und Templateprogrammierung und nahzu alle Shopsysteme auf dem Markt bieten derzeit im SEO-Bereich ähnliche Voraussetzungen.

Tip 7: Achten Sie auf Backups!

Oft wird mit dem Shopsystem auch ein Webhosting verkauft oder Sie haben bereits eine alte Webseite, wo Sie Ihren Shop gerne installieren wollen. Ihre Situation mit einem Shop ist jedoch nun eine andere. Sie werden Geld ausgeben für den Aufbau Ihres Shops und wollen nicht bei kleinen Sicherheits- oder Bedienungsproblemen von neuem anfangen. Fragen Sie bei Ihrem Provider nach, wie dieser bei Datensicherungen verfährt. Üblicherweise – und nur das ist sinnvoll – wird jede Nacht ein Backup gemacht und man kann ein solches Backup nicht komplett wiederherstellen, sondern ggf. auch einzelne Dateien mit Unterstützung des Providers wieder zurückspielen. Das ist absolut wichtig für Ihren Shopbetrieb.

Tip 8: Jedes Design ist mit jedem Shopsystem möglich!

Lassen Sie sich nicht täuschen durch die Beispiel- und Test-Installationen der Shopsystem-Hersteller. Die Templates, mit denen die Shopsysteme im Standard ausgeliefert werden, haben ganz unterschiedliche Qualität und sollen lediglich der Darstellung der Funktion des Systems dienen.

Heute kann man nahezu mit jedem Shopsystem jedes Layout auch darstellen. Das ist eine reine Frage des Könnens Ihres Designers und Ihres Programmierers. Nicht jedes Layout ist aber für jede Zielgruppe oder Produktwelt auch geeignet. Investieren die Shopsystemhersteller mehr in die Standard-Layouts werden auch immer mehr von diesen Standard-Layouts, die niemals für den produktiven Einsatz auch gedacht waren, in den Live-Shops verwendet. Das hat zur Folge, dass viele Shops wirklich gleich aussehen und sich nur durch das Logo unterscheiden. Völlig vernachlässigt dabei wird dabei, sich das Shopsystem selbst einmal anzusehen. So hat z. B. ein Shopware 5 Shop ein ansprechendes Layout, ist aber für die meisten kleinen Shops eher ungeeignet. Ein xt:Commerce 4 Shopsystem hat ein eher weniger ansprechendes Standard-Layout, kann aber ganz hervorragend in kleinen und mittleren Shopprojekten eingesetzt werden. Lassen Sie sich also nicht täuschen, Sie werden in der Mehrzahl der Fälle das Standard-Layout eh niemals live einsetzen.

Tip 9: Ein Shop ist niemals fertig!

Versuchen Sie nicht alles, was Sie an Ideen haben, zum Start in Ihr Shopprojekt zu stecken. Kaufen und installieren Sie nicht jedes Plugin. Bewerten Sie Plugins nach Ihrer betriebswirtschaftlichen Notwendigkeit bzw. dem Zusatznutzen für die Nutzer. Funktionen, wie Newsletter, Merkzettel oder Kundenbewertungssystem, können Sie jederzeit auch später nachrüsten. Viele Erweiterungen machen Shopsysteme instabil. Konzentrieren Sie sich auf ein hochwertiges einzigartiges Layout, mit dem Sie viele Jahre arbeiten können und verabschieden Sie sich von der Annahme, dass Ihr Shop jemals fertig werden wird.

Ein Shop ist ein Prozess. So wie sich Google laufend verändert, wird sich auch Ihr Shop und das Nutzerverhalten sowie die Anforderungen der Nutzer verändern. Darauf müssen Sie reagieren können. Und dazu sind regelmässige Updates der Shopsoftware notwendig und ein Partner an Ihrer Seite, der sich professionell berät.

Tip 10: Lassen Sie sich vom Profi beraten!

Sie werden es nicht glauben, aber es gibt noch Dinge, die auch in der schönen heilen Internet-Welt kostenlos sind und dabei sogar Qualität haben können. Lassen Sie sich grundlegend von einem eCommerce Profi zu Ihrem Shopprojekt beraten. Egal, ob Sie einen Relaunch planen oder ein neues Shop-Projekt. Es lohnt sich, einmal die Sichtweise eines Berater zu hören, der täglich mit den Problemen von Shopbetreibern zu tun hat und auch die Shophersteller-Seite gut kennt.

Gerne bin ich für Sie da und berate Sie einmal grundlegend, welches Shopsystem zu Ihnen passt. Ich freue mich auf Ihren Anruf oder auf Ihre Anfrage per E-Mail. Gerne können wir einen telefonischen Beratungstermin vereinbaren.

Über Immo W. Fietz

Immo W. Fietz, Jahrgang 1970, ist gelernter Programmierer, studierter Jurist und Betriebswirt sowie Sachverständiger für Neue Medien. Hier schreibt er als leidenschaftlicher eCommerce-Spezialist der ersten Stunde über tägliche Probleme im Online-Handel und der Verknüpfung von stationärem Handel mit dem Internet, lokale Marktplätze, Stadtentwicklung in der Digitalisierung und politische Rahmenbedingungen des eCommerce.

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