Shopsoftware Shopware

Shopware 5 und die Legendenbildung

24. März 2015

Shopware 5 geistert derzeit durch die Internet-Messen und Kinos. Ein Riesen-Hype wird in einer perfekten Marketing-Strategie um die neue Shopware-Version gemacht. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen bei Shopware und wie Sie das richtige Shopsystem auswählen.

Nicht das Shopsystem macht einen Webshop erfolgreich und sorgt für Google-Rankings und Sichtbarkeit.

Bei vielen Shopbetreibern hat sich in den letzten Jahren etwas breit gemacht, was an sich eher an intuitives Verbraucherhandeln erinnert, als an kaufmännische Tugenden. Viele – gerade Neueinsteiger in den Shopbetrieb – meinen, wenn man die Shopsoftware einsetzt, die das schickste und aufwendigste Marketing hat und am trendigsten auftritt, dass dann dies auch automatisch auf den eigenen neuen Shop abfärben muss. Weit gefehlt. Das Gegenteil kann der Fall sein, wenn man die falsche Shopsoftware auswählt.

Wir zeigen Ihnen anhand einiger Beispiele, dass gerade Shopware 5 für kleine und mittlere Unternehmen durchaus problematisch sein kann und sehen uns ein paar Marketing-Thesen der Shopware AG und deren Partner einmal genauer an.

shopware5

Dieser Artikel hat, wie immer, keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und soll auch nur zeigen, dass eben zur Auswahl des richtigen Shopsystems mehr gehört, als das Ansehen eines Kino-Trailers oder dem Versinken in blau-weisser Shopware-Marketing-Welt.

Emotionales Shopping kommt mit Shopware 5

Leider nein. Emotionales Shopping ist auch bei Shopware nur die „Einkaufswelt“ und der Einsatz vieler Bilder. Daran ist wenig neu. Allein viele Bilder einzusetzen ist bei den meisten kleinen Shopprojekten schon gar nicht möglich, weil ausser eine Sammlung von einfachen – oft nicht mal freigestellten – Produktfotos und abstrusen Fotolia-Bildern gar kein Bildmaterial da ist. Dazu fehlt es schlicht an einer Idee zur „Einkaufswelt“. Was soll auch ein Schrauben-Shop oder ein Shop für Tiernahrung Einkaufswelten abbilden. Der Aufwand, so etwas umzusetzen, steht oft überhaupt nicht im Verhältnis zum Gesamt-Budget des Shops. Übrig bleibt dann vom emotionalen Shopping, dass Shopware 5 hier stark vermarkten will, nur ein Slider, den heute jede Shop-Software abbilden kann.

Shopware 5 ist kostenlos

Ja, die Community Edition von Shopware 5 ist kostenlos. Schon bei der Professional Edition ist der Shopbetreiber bereits bei 1.295 EUR. Dabei unterscheidet sich die Version nur sehr unwesentlich von der Community Edition. Es wird mit „Gewährleistung“ geworben. Es gibt aber keine kostenlosen Updates. Damit ist die Gewährleistung auch hinfällig, insbesondere wenn man sich dazu die Passagen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Shopware AG ansieht.

Dazu wird mit kostenloser Installation als Feature geworben. Auch dies ist völlig abstrakt, da Shopware schlicht kaum wegen der technischen Anforderungen in kleine übliche Hosting-Pakete installiert werden kann. Es entstehen zu Shopsystemen mit weniger technischen Anforderungen klare Kostennachteile im Webhosting. Die Webhoster, die Shopware-Hosting anbieten, haben meistens die kostenlose Installation im Service jedoch enthalten, da diese Pakete deutlich teurer sind und mehr Leistung bieten.

Wirklich interessant ist im Lizenz-Bereich also nur die Enterprise Edition für 12.995 EUR. Hier gibt es tatsächlich einen Multi-Mandanten-Shop, Support und Premium-Plugins.

Was aber passiert, wenn Shopware eben die Lizenzpolitik ändert und keine kostenlose Version mehr herausbringt? Das ist die spannende Frage, die sich jeder Shopbetreiber zwingend stellen sollte. Ist er willens und in der Lage dann eine kostenpflichtige Version auch zu erwerben?

Shopware 5 ist mobile friendly

Die Möglichkeit, Online-Shops mobile zu machen und so auch für Smartphones und tablets angemessene Einkaufserlebnisse zu schaffen, hat so gut wie jedes auf dem Markt befindliche Shopsystem. Wer nun aber glaubt, dass Shopware 5 von Haus aus mobile friendly ist, der muss wissen, dass eben die mobilen Ansichten durch die Templates bestimmt werden. Ist das Template nicht mobilefähig, ist es auch der gesamte Shop nicht.

Insbesondere bei Bestandsshops oder bei neuen Shopware 5 Installationen kann es vom Aufwand sehr erheblich sein, individuelle Layouts oder alte Layouts mobiltauglich zu machen. Andere Shopsysteme liefern fertige mobile Templates, die mit wenigen Handgriffen individualisiert werden können, aus. Shopware bietet dies nicht. Dabei ist heute mobile friendly auch Rankingfaktor bei Google.

Und, wenn dann der Shopbetreiber seinen Administrationsbereich mobile friendly abrufen will oder über eine schwache Internetverbindung, z. B. aus einer Hotellobby, der wird bei Shopware schwer enttäuscht werden. Das System ist extrem ladeintensiv im Administrationsbereich und sicherlich kein System, wo man mal schnell über edge mit dem Laptop 2-3 Produkte einstellt oder aus dem Urlaub ein paar Änderungen macht.

Shopware 5 ist stabil

Ob eine Shopsoftware wirklich stabil ist, zeigt sich bei den Updates und dem damit verbundenen Aufwand. Ein neuer Shopsystem-Interessent sollte sich die Mühe machen, sich im Shopware-Forum einmal umzuschauen, wie Probleme gelöst werden, welche Probleme bei Performance-Schwierigkeiten oder Updates auftreten und vor allen Dingen, wie viele und wie gehäuft. Schnell stellt man fest, dass hier oft massive und ungelöste Probleme auftreten, die den kleinen Einzelhändler auch im Budget bei der Problemlösung häufig überfordern. Hier unterscheidet sich Shopware kaum von den Mitbewerbern. Ganz im Gegenteil. In der Praxis sind Updates oft gerade beim Einsatz von Zusatzplugins bei Shopware deutlich problematischer und die Vielzahl an javascript-basierten Funktionen machen die Fehlerfindung für Laien nahezu unmöglich.

Shopware 5: Dem Nutzer das Kauferlebnis aufzwingen

Sieht man sich die aktuellen Beta-Version zu Shopware 5 an, so kriegt man das kalte Grausen. Was dort als „Kauferlebnis“ im Standard-Template angeboten wird, ist nichts weiter als eine simple Bilder-Collage, die nicht conversion-optimiert ist. Insgesamt macht das gesamte Layout den Eindruck, als wäre es einfach nur mit Funktion überfrachtet und man wollte dem Nutzer ein bestimmtes Verhalten aufzwingen. Mit Vertrauensbildung hat das Standard-Template wenig zu tun. Und die Entfernung von textlichen Inhalten auf der Haupt-Landingpage – der Startseite – rettet auch eine völlig veraltete Tag-Cloud nicht. Nutzer, die sich daran orientieren, werden im Ranking (SEO) furchtbares erleben.

Für den Fachmann wirkt Shopware im Frontend zunächst so, als habe man in die Plugin-Baukasten-Trickkiste gegriffen und einfach ein wenig mit Merkzettel, tag-cloud, Vergleichen-Funktion, Warenkorb-Badge am Rand und Filter aufgerüstet. Mag sein, dass die eine oder andere Funktion sinnvoll erscheint, aber es sind grundsätzlich keine Funktionen, die nicht schon seit Jahren verfügbar sind und auch von Agenturen genutzt werden. Der grosse innovative Wurf in ein neues eCommerce-Erlebnis ist bei Shopware 5 in der Standard-Installation nicht im Ansatz zu erkennen.

Fazit und Kritik

Es gibt nicht DAS richtige Shopsystem. Auch Shopware 5 zeigt anhand der oben angeführten Beispiele, dass es nur mit Wasser kocht. Shopware 5 ist weit entfernt von einem einfachen und intuitiv bedienbaren Shopsystem für kleine Einzelhändler. Die Zielgruppe dieser Software liegt klar bei mittleren bis grossen Shoprojekten. Bei kleinen Budgets kann es schnell zu Überforderungen kommen und die Trennung vom Shopsystem ist dann aufgrund der bereits getätigten Ausgaben häufig nur schwer möglich.

Shopware 5 ist noch „träger“ und instabiler geworden, als seine Vorgänger. Ähnliches haben wir bei Magento erlebt. Die Funktionsvielfalt tut dem Shopsystem nicht gut und wird überwiegend den Agenturen lange und enge Kundenbindungen bescheren, sowie den conversion-Optimierern und SEOs viel Arbeit.

Wir sehen Shopware 5 nicht im Massenmarkt der Shops, weil gerade bei den kleinen Unternehmen allein schon die Voraussetzungen fehlen, eine solche Software angemessen zu nutzen. Shopware 5 bringt im Administrationsbereich sicherlich viele einmalige Neuerungen mit sich, die jedoch weder erfolgsentscheidend für den Online-Shop sind, noch bei kleinen oder kleinen-mittleren Projekten wirklich gebraucht werden.

Es gibt zahlreiche gute Shopsystem-Alternativen auf dem Markt, die weit mehr Erfahrung in der Shopsystem-Entwicklung aufweisen, als die Shopware AG. Es sind leichtere und deutlich inuitiver bedienbare Systeme, die den Einzelhandel oft näher und schneller an den Online-Handel bringen, als dies ein Shopware-Projekt so leisten kann.

Nichts ersetzt eine gute Beratung

Die Erfahrung aus zahlreichen Shopprojekten teilen wir gerne mit Ihnen und beraten unsere Shopkunden bei der Auswahl des richtigen Shopsystems kostenlos. Bitte sprechen Sie uns an. Wir freuen uns auf Sie und diskutieren gerne mit Ihnen die Vor- und Nachteile von Shopware 5. Denn Vorteile hat Shopware 5 natürlich auch und davon nicht wenige. Ob diese aber ausreichend sind, um Ihr Projekt damit umzusetzen, besprechen wir gerne mit Ihnen.

Über Immo W. Fietz

Immo W. Fietz, Jahrgang 1970, ist gelernter Programmierer, studierter Jurist und Betriebswirt sowie Sachverständiger für Neue Medien. Hier schreibt er als leidenschaftlicher eCommerce-Spezialist der ersten Stunde über tägliche Probleme im Online-Handel und der Verknüpfung von stationärem Handel mit dem Internet, lokale Marktplätze, Stadtentwicklung in der Digitalisierung und politische Rahmenbedingungen des eCommerce.

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