Wie handeln kleine Städte nach der Corona-Krise richtig, um Unternehmen digital sichtbar zu machen?

Die Corona-Krise hat von heute auf morgen gnadenlos aufgezeigt, wie schlecht es um die Digitalisierung des öffentlichen Lebens in kleinen Städte bestellt ist und wie unsere Kommunen jahrelang durch Untätigkeit und falsche Maßnahmen in diesem wichtigen Bereich versagt haben. Wir zeigen im folgenden Text Probleme und Lösungen auf.

Als der Lockdown Ende März 2020 immer deutlicher wurde, versuchten sich Bundes- und Kommunalpolitiker herauszureden, man hätte das nicht kommen sehen. Das stimmt natürlich nicht. Zum einen war den meisten Bürgern bereits im Januar 2020 klar, dass sich da etwas fürchterliches am Horizont abzeichnet, die Händler meldeten dort schon einen großen Abverkauf von Gesichtmasken, die Bürger legten bereits Vorräte an - zum anderen reden seit vielen Jahren Fachleute darüber, dass die Städte die eigene öffentliche Infrastruktur nicht digitalisiert haben und damit große Nachteile haben.

Es war im März 2020 immer noch Amazon das große Tabu-Thema in den Städten. Niemand wollte online gehen, die Händler hatten oft noch nicht einmal eine Webseite. Die kommunalen Seiten sind auf flexible digitale Skalierbarkeit nicht ausgerichtet. Dabei muss klar gesagt werden: Wäre Amazon in der Corona-Krise nicht da gewesen, hätte es einen völligen Zusammenbruch des öffentlichen Lebens gegeben, da kein Bürger sich mit Gutscheinen für den kommunalen Handel vertrösten lassen hätte und die Paketdienste eben der sichere Weg waren, zu konsumieren. Das Paketvolumen bei DHL und Co. stieg von heute auf morgen rasant auf Weihnachtsniveau an.

Dennoch haben die Kommunen, obwohl Sie schon seit Jahren mit kleinen Liefer-LKWs in den Innenstädten überschwemmt werden, es noch nicht einmal bis zu diesem Zeitpunkt geschafft, ein geeignetes Verkehrskonzept für die Innenstädte, die über das Bemalen von Straßen für Radfahrspuren hinausgehen, zu schaffen.


Die Kommunen verschlafen die Digitalisierung.

Es hat nicht ausgereicht, dass Fachleute jahrelang gewarnt haben, dass sich auch die Unternehmen in kleinen Städten digitalisieren müssen, um im Wettbewerb mit transparenten Märkten zu bestehen. Dabei schließen lauschige Gassen und inhabergeführte Geschäfte und Gastronomiebetriebe eine funktionierende Digitalisierung nicht aus, sondern es ergänzt sich ganz hervorragend. Die Kommunen, die jedoch Antrieb einer solchen Entwicklung sein müssen, haben selbst nicht vorgesorgt, wissen gar nicht, was es heisst, im Home-Office wochenlang zu arbeiten oder keinerlei Einnahmen zu haben. 

Es gibt weder einen digitalen Plan im März 2020 in den Kommunen, noch irgendjemanden in den kleinen Städten, der wirklich Kenntnis von Digitalisierung hat. Dennoch wird das öffentliche Leben von heute auf morgen beendet. Das Ergebnis ist die Katastrophe für die schwächsten im Wirtschaftsleben - kleine Gastronomiebetriebe, inhabergeführter Einzelhandel, kleine Dienstleister. 


Kleine Städte haben digital versagt vor und in der Corona-Krise.

Als den Unternehmen dann von heute auf morgen die Umsätze und damit Ihre Existenz wegbrach, wurde das ganze Ausmaß des Dilemmas greifbar und sichtbar. Und die Antworten der Kommunen waren:

  • kauft Gutscheine bei lokalen Betrieben
  • tragt Euch in irgendwelche seltsamen "Händlerportale" ein, die regionalen Handel fördern sollen
  • ruft uns an, wenn Ihr Probleme habt, unsere Praktikanten helfen weiter
  • und vor allen Dingen, wartet alle mit Konsum, bis wir Euer Problem gelöst haben.

    Man fragt sich, wem wir dort eigentlich jahrelang unsere Verwaltung anvertraut haben. 

Warum Gutscheine nicht den Einzelhandel retten.

Ein Gutschein ist ein Leistungsversprechen, das später unterschiedliche Probleme bereitet.

Eine der verrücktesten Annahmen der Kommunen und kleinen Händler ist, dass Gutscheine irgendwie den Handel in der Stadt - nicht nur in der Corona-Krise - retten könnten. Ein Gutschein ist eine Leistungsverpflichtung. Und diese Leistung wird eingelöst, wenn das Unternehmen nicht mehr liquide ist, nämlich nach der Krise. Genau dann braucht das Unternehmen aber Liquidität. Das Ergebnis ist, wenn viele Leistungsverpflichtungen im Unternehmen vorhanden sind, eine verschleppte Insolvenz.

Der Gutschein ist im Kern Umsatz-Gift und jeder, der einem Einzelhändler zum Verkauf von Gutscheinen geraten hat, sollte dringend einmal wieder die Schulbank im 1. Semester Betriebswirtschaftslehre drücken. Auch hier sagen die Kommunen, woher hätten wir das wissen können. Natürlich kann man das wissen, wenn man einigermassen Interesse an den eigenen Unternehmen der Stadt hat und hochbezahlte Volks- und Betriebswirte in den Verwaltungsführungspositionen sitzen.


Händlerportale sind keine Webkataloge.

Kleine Städte haben dann festgestellt, dass es ja gar keine Verzeichnisse der Stadt gibt, welche Gastronomen Lieferdienste anbieten und welche Einzelhändler in der Krise überhaupt erreichbar sind und wie. Ja, man hat noch nicht mal alle Adressen der ansässigen Unternehmen digitalisiert und aufbereitet vorliegen. Völlig kopflos wird agiert und die Erfahrung von 20 Jahren eCommerce missachtet. Man darf es gar nicht laut sagen: Die Stadt Celle kam auf die grandiose Idee, ein so genanntes "Händlerportal" durch einen kommunalen Web-Dienstleister, der natürlich nicht in Celle ansässig war, mit einer Art Katalog aller Unternehmen zu beauftragen.

Reine Web-Kataloge oder Adressverzeichnisse senden negative SEO-Signale und sind ein Rückschritt ins letzte Jahrzehnt.

Schon vor 10 Jahren sind diese Art von Webkatalogen bei Google aus der SEO-Sicht (und damit Reichweite und Sichtbarkeit) heftigst abgestraft worden, weil von ihnen zu viele externe Linkziele ausgehen. Wenn ein Unternehmen heute seine neue Webseite in einen solchen Web-Katalog, der sich nun Händlerportal nennt, einträgt, dann erhält es fast keinen Traffic - weil natürlich die städtischen Seiten überhaupt nicht sichtbar sind - es erhält aber negativen link-juice, also negative Signale einer externen Seite. Schlimmer geht es kaum noch, eine technische Umsetzung dieser Art zu realisieren und dauerhafte Nachteile für die teilnehmenden Händler zu schaffen. Eine solche Massnahme ist auch nicht vor dem Hintergrund einer Krise gerechtfertigt. Es ist einfach nur leichtsinniger dummer Unsinn und die gefühlte Erfolgsbewertung der Unternehmen findet sofort statt. Zu einer vernünftigen fachlichen betriebswirtschaftliche Herangehensweise, Analyse und Bewertung sind die Kommunen nicht in der Lage im Jahr 2020.

Die Händler haften nun für die Fehler der Plattform-Betreiber. Die Kommune ist mit einem Versprechen mit dem Händlerportal angetreten und niemand - auch nicht der Stadtrat - hat dieses Versprechen kontrolliert. Solche Portale haben keinen Einschaltknopf. Wenn eine Stadt meint, dass man allein mit einem Webkatalog die Erfahrung aus 20 Jahren eCommerce umsetzen kann, dann liegt sie völlig falsch. Ein solches Portal sinnvoll aufzubauen und zu betreiben, ist harte Arbeit, keine Praktikantenarbeit und kostet viel Geld, Nerven und KnowHow. Es ist eine Führungsaufgabe.


Öffentliches Geld soll die kleinen Unternehmen retten.

Nie war der Staat spendabler als in der Corona-Krise. Alle Kommunen sind auf den Zug aufgesprungen und warben für Förderprogramme und nicht rückzahlbare Hilfen aus Steuergeldern, die sie vorher jahrelang mit Einkommens- und Gewerbesteuer den Bürgern abgepresst hatten. Einfach ist es, Geld, das einem nicht gehört, zu verschenken. Die kleinen Städte mussten noch nicht einmal selbst etwas dazu beitragen. Es fehlte an jedem wirtschaftlichen Konzept. Die Gießkanne ging rum und wer am lautesten jammerte, hatte Erfolg. Das hat nichts mit Unternehmertum, wirtschaftlichem Handeln oder Verantwortung einer Kommune zu tun. Das ist einfach nur erbärmlich und einer Volkswirtschaft nicht würdig.

Ungerecht ist es zudem, Gelder, die die jammernden Unternehmen zum Teil gar nicht erwirtschaftet haben, nun wahllos zu verschenken. Gerechter wäre es, das bedingungslose Grundeinkommen für alle Bürger einzuführen, denn die haben das verschenkte Geld durch Leistung erwirtschaftet, oder alternativ eine Steuerrückzahlung durchzuführen. Ein Unternehmen, dass nicht in der Lage ist, 4 Wochen ohne Umsatz zu existieren, sich Traditionsbetrieb nennt und dann im Jahr 2020 so aufgestellt ist, das weder eine digitalisierte noch irgendwie eine moderne Infrastruktur vorhanden ist, hat ggf. auch öffentliche Steuergelder nicht verdient und wird in der Fußgängerzone vermutlich auch nicht vermisst werden.


Die Digitalisierung ist das Katapult in die Zukunft.

Eigentlich hätte es jedem schon vor der Corona-Krise klar sein könnnen. Nur die Digitalisierung ist in der Lage, heutige Probleme umfangreich und skalierbar zu lösen. Wenn sich Menschen durch Viren aus dem Weg gehen und Schüler nicht mehr zur Schule dürfen, Einzelhändler um die Existenz kämpfen und Gastronomen keine Gäste mehr bewirten dürfen, ist es die Digitalisierung, die fast alle Problem so abmildern kann, dass die Menschen über eine lange Zeit kontaktarm leben können und jeder Pandemie trotzen können. 

Die Digitalisierung ist das Katapult auch nach der Krise. Zu stark wird sie auf Schulen, Behörden und Einzelhändler beschränkt. Das sieht man auch an allen Massnahmen, die nun die kleinen Städte durchführen oder wo man sieht, dass sie aktiv sind. Sie vergessen dabei gnadenlos, dass der Einzelhandel nur einen ganz kleinen Teil des öffentlichen Lebens ausmacht. Viel wichtiger sind Dienstleister und Handwerk. Vom Fußpfleger bis zum Friseur wurde alles vergessen, was man nur vergessen kann. Man war noch nicht mal in der Lage, digitale Einkauflisten für den risikobehafteten Bevölkerungsteil zur Verfügung zu stellen. So schlecht steht es um kleine Städte wirklich. Aber das wirklich schlimmste Fazit aus der Corona-Krise ist: Die Kommunen haben auch keine eigenen Ideen und reduzieren sich auf das Kopieren. 

Der Blick auf den Online-Handel hätte schon frühzeitig aufzeigen können, wie man aufgestellt sein muss. Der Online-Handel und die Digitalisierung können Lösungen liefern. Das kostet Geld und gerade kleine Städte tun sich schwer, auf lokale Kompetenz in diesem Bereich zurückzugreifen.


Die richtigen Massnahmen nach Corona für kleine Städte.

Eine Problem-gelöst-Meldung wird es nach der Corona-Pandemie nicht geben. Jederzeit kann erneut ein Virus ausbrechen, der die Gesellschaft vor ähnliche oder schlimmere Probleme stellen kann. Digitalisierung ist ein Dauerauftrag in den kleinen Städten - nicht nur für die Kommunen, sondern eben gerade auch für die Unternehmen. Denn eines muss klar sein: Die Kommune ist kein Marktteilnehmer. Sie darf weder Marktplätze betreiben, bewerben oder aufbauen, noch darf sie irgendwie als Wettbewerber auf einem Markt auftreten.

Der digitale Master-Plan muss von regionalen Fachleuten erstellt werden, die in der Regel keine Verwaltungsmitarbeiter sind.

Auch eine kleine Stadt benötigt ein Digitalisierungskonzept. Ist das nicht vorhanden, machen städtische Betriebe, was sie wollen. Es werden in allen Bereichen - vom Theater, über Tourismus bis hin zu den Stadtwerken - Insellösungen geschaffen, die später nur durch offene Plattformtechnologien wieder einzufangen sind. Ohne Digitalisierungskonzept wird ineffizient digitalisiert. Es wird die Zukunftsfähigkeit nicht gewährleistet. Denn es ist nicht die Lösung, dass jeder städtische Akteur einen Online-Auftritt hat, sondern die Lösung ist die Synergie der Auftritte im Zusammenspiel mit städtischen Infrastrukturmassnahmen. Das wissen die meisten kleinen Städte längst, umsetzbar ist das aber nur mit Fachleuten vorort und eben nicht durch externe Berater. Jede kleine Stadt hat ihre Eigenheiten, die beachtet werden müssen. Die Bürger müssen mitgenommen werden und es muss aus der Kraft der städtischen Entwicklung heraus entstehen, wenn es am Ende auch effiziente Leistung bringen soll.



Die konkreten Massnahmen darüber hinaus sind vielfältig und kaum abschliessbar beschreibbar, da es agil ist und laufend fortentwickelt werden muss:

  • Digitalisierungsbeauftragte/n bei der Stadt schaffen
  • Skalierbare offene Plattform mit vielen Api-Anbindungen schaffen
  • Digitalisierungsteam zur Fortbildung und Fortentwicklung fördern und ausbauen
  • Unternehmen an überregionale Marktplätze anbinden
  • städtische Infrastruktur an den Bedarf des digitalen Handelns anpassen
  • Lebensmittel-Lieferdienste als krisenwichtig etablieren und fördern
  • Nicht auf die kleinsten Einzelhändler beschränken! Alle gehören dazu!
  • Kontaktloses Bezahlen im Innenstadtbereich voran bringen
  • Beratungsteam für Unternehmen in der Innenstadt schaffen
  • Kernaufgaben im Social Media Bereich für ganze Segmente festlegen
  • Rechtssicherheit und Rechtskonformität im landesweiten Handel schaffen
  • Lokale Fachkompetenz bündeln

Entscheidend für den Erfolg eines Digitalisierungskonzeptes ist im Ergebnis eine offene Plattform, die in der Lage ist, alle Dienste der Stadt, Unternehmen und Dienstleister zu vereinen. Dabei muss das Theaterprogramm genau so integriert sein, wie Lebensmittel-Lieferdienste, Einzelhandelsangebote, Öffnungszeiten, Kartenvorbestellungen, Hotelreservierungen, Touristen-Informationen und Terminbuchungen bei Ärzten und Friseuren. Sie muss in der Lage sein, flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und technisch frei skalierbar ausbaubar sein.


Wir haben da mal was vorbereitet: DEIN CELLE 

Natürlich gibt es das alles schon. Wir arbeiten als Digitalagentur seit Jahren an einer Software-Lösung, die kleine Städte im sichtbaren Bereich digitalisieren kann. Dabei sind wir gerade erst im Entwicklungsstatus bei ca. 10% der heute denkbaren Aufgaben einer solchen Plattform angekommen und das brauchte schon viele Jahre Entwicklungs- und Marketingarbeit.

Gerne wird von regionalen Wirtschaftsförderungen verbreitet, dass digitale lokale Marktplätze bereits jetzt gescheitert sind. Damit zeigen die Wirtschaftsförderer zunehmend ihre digitale Inkompetenz der letzten 20 Jahre. Gescheitert ist die Idee eines Mini-Amazons in der Kleinstadt. Erfolgreich ist ein echter Marktplatz, wo eben Informationen ausgetauscht werden, Mehrwerte geschaffen werden und gerade nicht nur gehandelt wird. Ein Platz wie aus dem Leben, verankert im Herzen der Stadt und mit Schnittstellen zu allen lebenswerten Infrastrukturpunkten des öffentlichen Lebens.

Ein digitaler Marktplatz braucht die Verankerung in der Stadt und eine erfahrene Digitalagentur. Dann ist jeder Marktplatz zu 100% erfolgreich.

Im Ergebnis dieser Überlegungen führt kein Weg an unserem Konzept vorbei, will man, dass eine solche Plattform auch wirkliche Lösungen umsetzt und vom Bürger angenommen wird. Man kann einen Platz wie DEIN CELLE auch nicht wirklich kopieren, viele haben das bereits versucht. Man kann es nutzen oder selbst sich auf den langen harten Weg machen, so eine Lösung zu schaffen. Wir bieten kleinen Städten die Software inkl. Beratung, Betreuung, Aufbau und Integration an. Dabei ist es eher kein fertiges Softwarepaket, das wir verkaufen. Wir verkaufen auch die Software und eine Lösung für einen Weg, der ständig gegangen werden muss und nie endet. Wir versprechen, dabei zu bleiben und diesen Weg zu begleiten, so dass jede Kommune, jeder Verlag, jedes Citymanagement am Ende ihre eigene individuelle Lösung auch umgesetzt hat.

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Immo W. Fietz

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